Idee der eigenen Erkenntnis
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Meine Verwirrung um Gerhard Schröder als Vermittler

Frank Siebert
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Nachrichten zu diesem Thema vermittelten, es ginge um die Mediation im Ukraine-Krieg 1 2 , und ich dachte: Was geht es die deutsche Bundesregierung an, auf wen sich die Beteiligten als Vermittler einigen? Die Betrachtung der tatsächlich von Putin gemachten Aussage ergab: Es ging um die hypothetische Möglichkeit von Vermittlungen zwischen der EU und Russland 3 .

Update 2026-06-20: Gerhard Schröder war auf der Pressekonferenz des russischen Präsidenten vom 04. Juni 2026 ein weiteres Mal ein Thema, aufgeworfen in einer Frage von Martin Romanczyk, Leiter des Nachrichtendienstes der Deutschen Presse-Agentur.

Und ich dachte schon, meine Meinungsäußerung dazu sei zu spät gekommen.

Wie gut geben die Pressemeldungen den russischen Präsidenten diesmal wieder? Und muss ich meine geäußerte Meinung korrigieren? Das Update finden Sie im Anschluss an den ursprünglichen Text .

Na dann, dachte ich, ist die Sache ja klar. Als oberstes Organ der Exekutive eines EU Mitglieds kann die Bundesregierung in dieser Frage natürlich mit entscheiden.

Dennoch blieb die Formulierung der Ablehnung verwirrend, Zitat:

Die Bundesregierung hat einen Vorschlag des russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Vermittlerrolle von Altkanzler Gerhard Schröder im Ukraine-Krieg zurückgewiesen.

Zitat Ende

Warum lehnt die Bundesregierung etwas ab, was nicht vorgeschlagen wurde, und worin sie keine formale Berechtigung der Ablehnung hat? Warum lehnt die Bundesregierung nicht stattdessen Schröder als Vermittler zwischen der EU und Russland ab, etwas was durchaus statthaft wäre?

Dann meldete sich der ukrainische Botschafter zu Wort und lehnte eine Vermittlung durch Gerhard Schröder ab 4 .

Und natürlich fragte ich mich dann - na was wohl? Was hat der ukrainische Botschafter in dieser Sache zu entscheiden?

Die korrekte Antwort lautet natürlich: Nichts. Die Ukraine ist kein EU-Mitglied, und hat bei der Frage, wer als Mediator zwischen der EU und Russland dient, nichts zu entscheiden. Formal wiegt seine Stimme in dieser Frage weniger als meine, denn immerhin bin ich ein Bürger der Europäischen Union, er aber nicht.

Natürlich kann der ukrainische Botschafter, oder auch Selenskyi als ukrainischer Präsident, seine Meinung dazu genauso äußern wie ich, aber keiner der beiden kann über eine Berufung Schröders als Mediator zwischen der EU und Russland mit entscheiden.

Die Formulierung allerdings, welche sich in den Nachrichten fand, war entweder "die Ukraine" oder "der ukrainische Botschafter" lehne Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ab.

Dies hat mit der Präferenz Putins für Schröder als Vermittler zwischen der EU und Russland nichts zu tun. Auch diese Artikel handeln von der Ablehnung eines Vorschlags, der nicht gemacht wurde.

All die Aussagen verschiedenster Politiker, die in diesen Artikeln dargestellt werden, sind entweder genauso falsch wiedergegeben, wie dies mit Putins Aussage geschah, oder diese Politiker haben tatsächlich über einen nicht existenten Vorschlag geredet, einen Vorschlag, der nur eine Zeitungsente war, und haben damit ihre Unfähigkeit zur Quellenprüfung zur Schau gestellt. Zumindest jene Politiker mit abgeschlossenem Studium sollten dies doch früher einmal gelernt haben, und die Webseite des russischen Präsidenten macht die Überprüfung öffentlicher Aussagen Putins wirklich einfach.

Wie dem auch sei, in diesem Fall ist es nicht wichtig. Solange die EU nicht wirklich mit Russland über bessere Beziehungen und eine gemeinsame Sicherheitsarchitektur in Europa reden möchte, sind die Präferenzen Putins zur Frage der Person des Mediators ohne Nachrichtenwert.

Es ist mir nur einmal mehr aufgefallen, wie leicht sich falsche Eindrücke - na ja - eindrücken, wenn man beim Konsum von Nachrichten nicht sehr gut aufpasst. Und dies sogar bei einer Nachrichtenquelle wie dem Spiegel, der einst einen so guten Ruf hatte. Aber der Spiegel ist nicht alleine, viele weitere Nachrichtenseiten, auch die Süddeutsche Zeitung, haben verbreitet, es ginge um Mediation im Ukraine-Krieg.

Nein, darum ging es in Putins Aussage nicht. Es ging um Gespräche mit der EU, die, zumindest offiziell, weiterhin nicht als Kriegsteilnehmerin gelten will, um in Ruhe für den Krieg aufrüsten zu können. Auch Russland bemüht sich ganz offensichtlich, die EU nicht als Kriegsteilnehmerin zu sehen, was zunehmend schwerer wird, aber Putin in seiner Pressekonferenz dennoch ein weiteres mal gelang.

Die Ausführungen Putins zu Armeniens Plänen eines EU-Beitritts sind in dieser Hinsicht bemerkenswert, ja angesichts der militärischen Beistandsklausel im Lissabon-Vertrag aus meiner Sicht verblüffend.

Den westlichen Nachrichtenblättern gelang dies nicht, und auch die westlichen Politiker versagten in dieser Hinsicht einmal mehr, indem sie die Vermittlung zwischen der EU und Russland mit einer Vermittlung im Ukraine-Krieg gleich setzten.

Natürlich wissen wir nicht, welche Mittel Russland im Hintergrund einsetzt, um den Beitritt Armeniens zur Europäischen Union zu verhindern. Die "westlichen" Hintergrundmittel, von NGOs über Bestechungen bis hin zu Farbrevolutionen, kennen wir hinreichend. Aber nicht nur bei den Hintergrundmitteln ist Russland offensichtlich vorsichtiger, auch die diplomatischen Fähigkeiten hoher russischer Beamter sind offensichtlich denen westlicher Politiker überlegen.

Während Putin einen EU-Beitritt Armeniens öffentlich als Armeniens Angelegenheit bezeichnet, auch wenn dies natürlich Folgen für die Beziehungen zu Russland haben muss, sind "unsere" Politiker nicht in der Lage, Gespräche zwischen der EU und Russland von Friedensgesprächen zum Ukraine-Krieg zu unterscheiden. Und unter der Annahme, es ginge um Vermittlungen im Ukraine-Krieg, mischen sich "unsere" Politiker ganz öffentlich in eine Frage ein, welche die Ukraine für sich selbst klären müsste, wenn sie überhaupt auf dem Tisch läge. Sie benehmen sich, als hätten Sie die Ukraine mit ihren Geld- und Waffenlieferungen bereits gekauft. Und selbst falls dies stimmt, ist es diplomatische Unfähigkeit, dies öffentlich zu zeigen.

Diese Unfähigkeit wiederum, die diplomatische der Politiker und auch die zur korrekten Wiedergabe seitens der Nachrichtenblätter, hat Nachrichtenwert.

Welche Schlußfolgerung ziehen Sie daraus?

Setzen Sie Gespräche zwischen der EU und Russland auch mit Friedensgesprächen im Ukraine-Krieg gleich? Sehen also auch Sie die EU bereits als Kriegspartei an? Was halten Sie davon, dass unsere Politiker mit ihren Aussagen indirekt die EU als Kriegsteilnehmerin darstellen? Und sollten Ihrer Meinung nach diese Staatsdiener zurück treten und frischen Köpfen Platz machen, denen solche Fehler nicht passieren?

Update 2026-06-20

Mitbekommen habe ich von der Aufwärmung dieses Themas über Fernsehnachrichten. Aber welcher Sender war es? Ich weiß es nicht mehr. Aber schauen wir doch erst einmal auf die Worte Präsident Putins, bevor wir uns den Zitierungen des "russischen Machthabers" in deutschen Schriftmedien zuwenden.

Für die original Zitate verwende ich die original Quelle, die Webseite des Präsidenten. Der Moderator Andrei Kondrashov gibt Martin Romanczyk das Wort, um Fragen zu stellen, adressiert aber gleichzeitig eine Frage an diesen.

Zitat (Übersetzt) 5 :

Andrei Kondrashov:

Wer ist der Nächste? Martin Romanczyk, Deutsche Presse-Agentur (DPA), Germany. Aber wissen Sie, ich möchte Martin zunächst selbst eine Frage stellen, wenn ich darf. Sie vertreten Deutschlands größte und führende Nachrichtenagentur. Haben Sie als Journalist den Eindruck, dass sich Ihr Land auf einen Krieg vorbereitet? Ist das tatsächlich der Fall, oder kommt es uns nur so vor? Und rüstet es sich wirklich für einen Konflikt mit Russland?

Vladimir Putin:

Ich erhebe Einspruch. Sie brauchen nicht zu antworten. Sie sind nicht hier, um verhört zu werden – Sie sind als Ermittler hier; verhören Sie andere.

Andrei Kondrashov:

Dann sprechen wir uns separat nach diesem Meeting.

Bitte fahren Sie fort.

Leiter des Nachrichtendienstes der Deutschen Presse-Agentur (DPA) (Deutschland) Martin Romanczyk ( zurückübersetzt ):

Ich möchte auf Ihre Frage antworten. Nein, das glaube ich nicht.

Herr Präsident, vielen Dank für die Einladung.

Ich möchte auch auf das Thema Ukraine eingehen und auf eine Frage zurückkommen, die hier bereits gestellt wurde. Sie haben über Frieden gesprochen. Deutschland und viele europäische Länder möchten sich an diesen Friedensverhandlungen beteiligen, die derzeit von den Vereinigten Staaten vermittelt werden, trotz des Konflikts im Iran. Welche Rolle kann Deutschland spielen, und welche Rolle kann der Bundeskanzler übernehmen? Und wenn ich darf, möchte ich dieser Frage noch etwas hinzufügen. Sie haben Gerhard Schröder als Vermittler im Namen der Europäer erwähnt. Wen können Sie sich, abgesehen von Gerhard Schröder, noch in dieser Rolle vorstellen - wer könnte diese Vermittlungsaufgaben im Namen Deutschlands übernehmen? Vielen Dank.

Zitat Pause

Martin Romanczyk beantwortet drei Fragen mit einem einzigen: "Nein, das glaube ich nicht." Er glaubt nicht, dass sich Deutschland auf einen Krieg vorbereitet. Die zweite Frage ist eine entweder-oder Frage, auf welche die Antwort nicht nicht anwendbar ist. Die dritte Frage ist, ob sich Deutschland für einen Konflikt mit Russland rüstet.

Wie kommt Martin Romanczyk als Leiter des Nachrichtendienstes der Deutschen Presse-Agentur (Deutschland) zu dieser Meinung? Was weiß er, dass mir entgangen ist? Sind es nicht unsere Politiker, unsere Staatsdiener, welche genau davon reden, man müsse für den Konflikt mit Russland gerüstet sein? Hat nicht sogar der alte Bundestag auf Betreiben des noch nicht gewählten kommenden Bundeskanzlers nach der Wahl des neuen Bundestages noch schnell die Verfassung geändert, um die Finanzierung dieser Rüstung sicher zu stellen?

Sicherlich erinnern Sie sich noch an diesen beispiellosen Skandal.

Was weiß Herr Romanczyk, dass mir entgangen ist?

Aber diese Frage ist im Kontext dieses Artikels nur eine Randfrage, die ich hier offen stehen lassen möchte.

Herr Romanczyk fragt, wen sich Putin, abgesehen von Gerhard Schröder als Vermittler im Namen der Europäer, noch in der Rolle als Vermittler im Namen Deutschlands vorstellen könnte.

Vorher kontextualisiert er die Frage mit Hinweisen auf das Thema Ukraine und auf (zur Zeit nicht stattfindende) Friedensverhandlungen, an denen sich verschiedene europäische Staaten beteiligen wollen. Er fragt auch, welche Rolle Deutschland und welche der Bundeskanzler hierbei übernehmen könnten.

Ich zähle also drei Fragen, die alle drei im Kontext von Friedensverhandlungen mit der Ukraine stehen. Eine Einschränkung ist natürlich, dass wir die Frage nur Rückübersetzt zur Verfügung haben. Die englische Formulierung "apart from Gerhard Schröder" kann sowohl als "abgesehen von Gerhard Schröder" als auch als "neben Gerhard Schröder" übersetzt werden.

Zitat Fortsetzung:

Vladimir Putin:

Sie haben zwei Punkte angesprochen, auf die ich eingehen möchte. Erstens sagten Sie, Europa wolle an den Verhandlungen teilnehmen. Richtig? Zweitens fragten Sie, wer außer Herrn Schröder als Vermittler fungieren könnte. Es ist eine Sache, an den Verhandlungen teilzunehmen, und eine andere, als Vermittler zu fungieren. Wie können die Europäische Union oder einzelne Länder der Europäischen Union als Vermittler auftreten, wenn sie die Bemühungen des Landes, mit dem wir uns in einem bewaffneten Konflikt befinden, direkt unterstützen? Was für Vermittler können sie da sein? Wenn man als Vermittler auftreten will, muss man neutral sein. Das ist mein erster Punkt.

Und zweitens war ich überrascht von der Reaktion auf meine Erwähnung von Herrn Schröder als möglichen Vermittler. Es folgte sofort ein Aufschrei: „Nein, Schröder darf nicht dabei sein, denn er ist Putins Freund.“ Er ist nicht Putins Freund. Er ist ein deutscher Staatsmann und meiner Ansicht nach einer der besten, weil er eine eigene Position vertritt und den Mut hat, diese zu verteidigen. Leider gibt es heute in Europa nicht viele Politiker, die diese Eigenschaften besitzen.

Europa steht derzeit vor erheblichen energiepolitischen Herausforderungen. Wie auch immer, es war Gerhard Schröder, der sich für Infrastrukturprojekte wie Nord Stream einsetzte, die darauf abzielten, die deutsche Wirtschaft mit zuverlässiger und erschwinglicher Energie aus Russland zu versorgen. Darüber hinaus ging es bei diesen Projekten nicht nur um die Sicherung der Lieferungen; sie schufen auch einen Rahmen gegenseitiger Verpflichtungen und Verbindlichkeiten zwischen den beteiligten Parteien. Es kommt nicht darauf an, dass wir ein gutes Verhältnis zu ihm haben. Entscheidend ist, dass er bei der Verfolgung der nationalen Interessen seines Landes bewiesen hat, dass er ein Mensch ist, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Das ist das Wesen der Sache. Jeder, der als Vermittler auftreten will, muss das Vertrauen beider Seiten genießen. Ehrlich gesagt fällt es mir schwer zu verstehen, wie Russland Menschen vertrauen könnte, die seit Jahren von der Notwendigkeit sprechen, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen.

Genau das ist der Punkt, Martin, [auf Deutsch] das ist das Problem [Deutsch Ende]. Dennoch weigern wir uns nicht, zu reden. Wir haben Kontakte mit Vertretern der Europäischen Union in keinem Format jemals abgelehnt. Was die Rolle der EU als Vermittler in Verhandlungen mit der Ukraine angeht, so gibt es offensichtliche Schwierigkeiten, wie ich bereits erwähnt habe, und ich denke, das lässt sich kaum bestreiten. Aber wir lehnen Kontakte nicht ab. Wenn sie reden wollen, wissen sie, wie sie uns erreichen können. Sie können zum Telefon greifen und anrufen. Wenn sie kommen wollen, sind sie herzlich willkommen. Es ist nicht Russland, das den Dialog verweigert. Ich war auch überrascht, Behauptungen zu hören, dass das böse Russland die Energieversorgung Europas eingestellt habe. Wir haben nicht aufgehört. Europa hat sich entschieden, nicht mehr zu kaufen, in der Hoffnung, dass dies unsere Wirtschaft zum Zusammenbruch bringen würde. Nun, sie haben gesehen, dass nichts zusammengebrochen ist, dass es Zeit ist, damit aufzuhören, zu erkennen, dass es ein falscher Ansatz war, und vielleicht einige Anpassungen vorzunehmen. Aber stattdessen hören wir weiterhin dieselbe Rhetorik. Sie haben so viele öffentliche Erklärungen und politische Verpflichtungen gemacht, dass es für sie jetzt schwierig ist, ihre Position zu ändern.

Zitat Ende

Putin verallgemeinert die Frage nach der möglichen Rolle Deutschlands oder des zur Zeit dienenden 6 Bundeskanzlers zur möglichen Rolle der EU und einzelner Länder dieser Union. Er stellt fest, dass diese keine Vermittlerrolle einnehmen können, da sie sich selbst bereits gegen Russland positioniert hätten, die Rolle eines Vermittlers aber Neutralität erfordere. Diese Positionierung sei durch die Unterstützung der Ukraine im bewaffneten Konflikt mit Russland klar erkennbar.

Darauf, welche andere Rolle die EU oder einzelne EU-Staaten bei Friedensgesprächen mit der Ukraine spielen könnten, geht er nicht ein.

Aus meiner Sicht bliebe nur die Rolle als Kriegspartei übrig. Sind die EU-Staaten in dieser Rolle? Die offiziellen Äußerungen aus der EU und den Mitgliedsstaaten zu diesem Thema ist schizophren zu nennen. Auf der einen Seite wird Russland gerne mit der Zerschlagung in Kleinstaaten gedroht und Rüstung für den Krieg gegen Russland betrieben, auf der anderen Seite wird weiter das Mantra von Russlands Aggression gesungen, als hätte man Friedensbemühungen Russlands im Vorfeld (Minsk I und II) und das Verhandlungsergebnis in Istanbul kurz nach Beginn des Kriegseintritts von Russland nicht hintertrieben.

So kritisch ich die Eskalation des ukrainischen Bürgerkrieges, der nach dem von der EU und den USA unterstützten Putsch 2014 ausbrach, in einen Krieg zwischen Russland und Ukraine auch sehe, und so sehr ich diese verurteile, darf ich als Bürger der EU und eines NATO-Staates die Beteiligung unserer eigenen Staatsdiener und der Staatsdiener unserer Bündnispartner an dieser Entwicklung dennoch nicht schweigend und kritiklos hinnehmen.

Als Staatsbürger muss ich unsere Staatsdiener doch darauf hinweisen, dass sie Fehler gemacht und diese zu korrigieren haben. Das gehört zu meinen Aufgaben als Staatsbürger. Mein Auftrag als Staatsbürger an unsere Staatsdiener ist es, eine Politik des Friedens und des allgemeinen Wohlstands zu betreiben. Eine solche ist für mich seit spätestens 2014 nicht erkennbar. Uns wird leider schlecht gedient.

Jetzt bin ich in ein Thema abgeglitten, das nicht in diesen Artikel gehört.

Zurück zum Thema: Putin sieht also in der EU, in deren Staaten und vor allem unter deren aktuellen Staatsdienern niemanden, der eine Vermittlerrolle zwischen der Ukraine und Russland einnehmen könnte. Welche andere Rolle diesen zukommen könnte, falls es zu Friedensgesprächen käme, ließ er offen.

Würden Sie Parteien zu Friedensgesprächen einladen, die weder Kriegspartei sind, noch als Vermittler geeignet?

Danach verschiebt Putin den Kontext zu den wirtschaftlichen und energiepolitischen Problemen Europas, welche Russland in kurzer Frist lindern und auf lange Sicht lösen könnte. Letzteres klingt, zugegeben, nur implizit in den Worten Putins an.

Das macht nicht nur Sinn, immerhin ist es eine Pressekonferenz im Rahmen eines Handelsforums, es ist auch strategisch sinnvoll aus russischer Sicht, diese zwei Themen getrennt zu sehen und zu behandeln. Dies wären außerdem Verhandlungsthemen, in denen der EU und deren einzelnen Staaten keine so zwiespältige Rolle zukäme.

Mich bekräftigt diese Antwort Putins darin, dass er Gerhard Schröder als möglichen Vermittler in Gesprächen mit der Europäischen Union sieht. Zugegeben, in dieser Pressekonferenz wird dies nicht so deutlich wie in jener, in der Putin Gerhard Schröder das erste Mal als bevorzugten Vermittler erwähnte.

Natürlich besteht für mich kein Zweifel daran, dass er Gerhard Schröder auch als Vermittler im Ukraine-Krieg akzeptieren würde. Aber erwartet irgend jemand, dass solche Gespräche bald geführt werden?

Auch das ist nicht die Fragestellung dieses Artikels. Ich lasse sie einfach so stehen und wende mich den deutschen Schriftmedien zu.

Was schreibt die Tagesschau zu diesen Äußerungen 7 ?

Zitat:

Russlands Präsident Putin hat sich offen für einen Dialog mit Europa zur Beendigung des Ukraine-Kriegs gezeigt. Deutschland schloss er als Vermittler aber aus. Erneut nannte er seine Bedingungen für Friedensgespräche.

Bei einem Gespräch mit westlichen Journalisten hat sich Russlands Präsident Wladimir Putin zum Krieg gegen die Ukraine und zur Rolle Deutschlands in dem Konflikt geäußert.

Um seinen Krieg zu beenden, erklärte sich der Kremlchef auch zum Dialog auch mit Europa bereit. Als Vermittler kämen aber nur neutrale "Leute" infrage, "denen man vertrauen kann", sagte Putin am Rande des Wirtschaftsforums in St. Petersburg. Dabei zeigte er sich verwundert, dass sein Plädoyer für Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler in Deutschland abgelehnt worden sei.

Zitat Ende

Warum setzt die Tagesschau das Wort "Leute" und das Satzfragment "denen man vertrauen kann" in Gänsefüßchen? Es ist keine Zitierung Putins. Zitierungen wären folgende gewesen:

Diese beiden Aussagen, die kaum jemand in Zweifel ziehen würde, wurden zusammengefasst in eine konjunktive Form mit dem Wort "kämen", welche diese Aussagen zu einer Meinungsäußerung Putins werden lassen, an denen Zweifel geübt werden können. War online kein Platz für die vollständige Zitierung dieser beiden Sätze?

"Um seinen Krieg zu beenden" ist eine gelungene propagandistische Färbung des ganzen. Haben alle vergessen, dass Präsident Trump ganz offen von einem Stellvertreterkrieg in der Ukraine sprach? Wie ist es eingedenk dessen weiter möglich von "Putins Krieg" zu schreiben?

Und während Putin den Kontext von Gesprächen mit der EU hin zu Wirtschafts- und Energiefragen verschob, setzt die Fett gedruckte Einleitung den Kontext wieder auf den "Dialog mit Europa zur Beendigung des Ukraine-Kriegs".

Bin ich hier am Haare spalten? Bin ich es, der Putins Worte missversteht? Vielleicht.

Von der Welt habe ich zwei Artikel zu der Pressekonferenz gefunden.

Zitat 8 :

Der russische Präsident Wladimir Putin hat seine Bereitschaft zum Dialog auch mit Europa zur Beendigung seines Krieges gegen die Ukraine bekräftigt. Als Vermittler kämen aber nur neutrale „Leute“ infrage, „denen man vertrauen kann“, sagte Putin bei einem Treffen mit Vertretern internationaler Nachrichtenagenturen, darunter die Deutsche Presse-Agentur, im Konstantin-Palast in St. Petersburg. Dabei zeigte er sich „verwundert“, dass sein Plädoyer für den Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland.

Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem Gespräch am Rande des Internationalen Wirtschaftsforums. Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte er Deutschland und Europa als nicht neutral.

Zitat Ende

Dieser Text ist nicht viel anders, als jener der Tagesschau. Auch hier wird geframed, dass es Putin um Gespräche mit Europa ginge, die sich um das Ende des Ukraine-Krieges drehen.

Haben Sie eine Ahnung, warum der Hinweis Putins auf Europas wirtschafts- und energiepolitische Schwierigkeiten, welche dieser als Kontext für Gespräche setzte, nicht erwähnt werden? Man könnte fast meinen, der westlichen Presse sei es unangenehm, auf darauf hinzuweisen.

Der andere Artikel der Welt zu der gleichen Pressekonferenz geht auf die Reaktion Putins auf Selenskyis Vorschlag eines Treffens der beiden ein 9 .

Letztlich weist Putin darauf hin, dass so ein Treffen keinen Sinn macht, solange auf Arbeitsebene keine Ergebnisse für das Treffen vorbereitet wurden. Wenn Selenskyi ein persönliches Gespräch ohne diese Vorbereitungen haben wolle, könne er nach Moskau kommen. Dieser Aspekt gehört nicht zum Thema dieses Artikels, aber wenn Sie selbst die Formulierungen Putins mit denen des Artikels vergleichen wollen, haben Sie jetzt beide Links zur Verfügung.

Der Stern schreibt, Zitat 10 :

Gegenüber den Journalisten bekräftigte Putin seine Bereitschaft zum Dialog auch mit Europa zur Beendigung des Krieges gegen die Ukraine. Als Vermittler kämen aber nur neutrale „Leute“ infrage, „denen man vertrauen kann“, sagte Putin. Dabei zeigte er sich „verwundert“, dass sein Plädoyer für den Ex-Kanzler Gerhard Schröder als Vermittler wild diskutiert worden sei in Deutschland.

Es gehe nicht darum, ob Schröder sein Freund sei oder nicht; der Ex-Kanzler sei ein Staatsmann, der für die Interessen Deutschlands eintrete und seine eigenen Positionen verteidige, sagte Putin bei dem Pressegespräch. Wegen der Waffenlieferungen an die Ukraine kritisierte er Deutschland und Europa als nicht neutral.

Zitat Ende

Interessanterweise sind der Wortlaut und die Gänsefüßchen beim Stern mit Tageschau und Welt identisch: "Leute" und "denen man vertrauen kann". Dies legt nahe, dass die Autoren aller drei Artikel aus der gleichen Sekundärquelle schöpften und deren Wortlaut nicht gegen die Primärquelle, die protokollierten tatsächlichen Worte Putins, gegenprüften.

Auch hier wird der Fokus auf den Ukrainekrieg gesetzt und die Fokussetzung Putins auf wirtschafts- und energiepolitische Probleme Europas verschwiegen.

Der einst renommierte Spiegel schreibt, Zitat 11 :

Russland habe alle Ressourcen, um seine militärischen Ziele zu erfüllen, behauptete Putin im Konstantin-Palast in Sankt Petersburg. Dennoch sei das Land bereit, einen Deal mit der Ukraine zu machen. Als möglichen Vermittler schlug er erneut Altkanzler Gerhard Schröder vor. »Wer, wenn nicht Schröder, könnte als Vermittler auftreten?«, fragte Putin. Die EU wiederum könne kein Vermittler sein, sondern nur unterstützen, sagte er weiter.

Zitat Ende

Wie kommt das Wort "Deal" hier rein? Eine Suche im Protokoll zeigt, dass es Teil der Fragestellung war.

Zitat James Jordan, Associated Press:

[...] is it still logical to pursue your war aim of controlling the hold of the Donbass region or are you ready to make a deal?

Zitat Ende

Putin weist darauf hin, dass das eine das andere nicht ausschließt. Danach geht er auf die Situation in der Ukraine ein, um mit der Aussage zu schließen, Zitat:

Zusammenfassend möchte ich Folgendes hinzufügen: Wir sind zweifellos bereit und willens, mit der Ukraine auf friedlichem Wege eine Einigung zu erzielen - und zwar auf der Grundlage dessen, was wir bei dem Treffen mit Präsident Trump in Anchorage besprochen haben.

Zitat Ende

Im Kontext dieser Frage wird Gerhard Schröder von Putin nicht erwähnt. Erst in der übernächsten Fragestellung geht es um Gerhard Schröder. Und es ist Martin Romanczyk von der Deutschen Presse-Agentur, der fragt, wer statt (oder neben, je nach möglicher Übersetzung) Schröder Vermittler sein könnte. Warum legt der Autor des Spiegels die Frage des Journalisten in den Mund des Befragten? Und zwar in Gänsefüßchen, als habe er genau dies genau so gesagt?

Haben unsere Journalisten alle das Zitieren verlernt?

Die Seite "Europe Says" schreibt dann wieder fast wortgenau das Gleiche wie Tageschau, Welt und Stern zur Fragestellung möglicher Vermittler, verdient daher auch die gleiche Kritik 12 .

Fragen Sie bitte nicht mich, warum den bruchstückhaften Zitaten in allen diesen Schriftmedien jegliche Genauigkeit mangelt. Fragen Sie nicht mich, warum kein einziger dieser Artikel die Kontextsetzung Putins für Gespräche mit der EU erwähnt.

Mir ist es schleierhaft, welcher Vorteil, welche Angst oder welches Missverständnis dazu führt.

Vielleicht liegt die Verwirrung und das Missverständnis ja bei mir.


Erkenntnisse haben meistens vorläufigen Charakter und sind immer individueller Natur . Sie selbst entscheiden, ob Sie Erkenntnisse anderer als Meinung übernehmen oder ob Sie sich Erkenntnisse selbst erarbeiten. Meine Quellenangaben sollen Ihnen bei letzterem eine Hilfestellung geben, Sie sollten aber immer auch weitere Quellen verwenden.

Glauben Sie nicht, auch nicht mir, sondern prüfen Sie und schlussfolgern Sie selbst.

Fußnoten


  1. Russland-Ukraine-Krieg: Wladimir Putin wünscht sich Gerhard Schröder als Vermittler ; DER SPIEGEL; 2026-05-09

  2. Gerhard Schröder: Bundesregierung weist Putins Schein-Angebot zurück ; RTL; rtl.de; 2026-05-10

  3. 2026-05-09 - President Putin - answers to media questions ; President of Russia; 2026-05-09

  4. Ukrainischer Botschafter Makejew lehnt Vermittlerrolle für Schröder strikt ab ; DER SPIEGEL; 2026-05-11

  5. Meeting with heads of international news agencies ; President of Russia; 2026-06-04

  6. Synonym mit "amtierenden"

  7. Putin offen für Dialog - unter Bedingungen ; tagesschau; 2026-06-04

  8. Wladimir Putin: Beim Treffen mit ausländischen Journalisten lobt er plötzlich die AfD - WELT ; Welt; 2026-06-05

  9. Ukraine-Krieg: „Kein Sinn“ – Russischer Präsident Putin lehnt direktes Treffen mit Selenskyj ab - WELT ; Welt; 2026-06-05

  10. Putin nennt russische Bedrohung „Unsinn“, Selenskyj bietet Treffen an ; https://www.facebook.com/stern ; stern.de; 2026-06-05

  11. Ukraine-Krieg: Wladimir Putin spricht von Kompromissen, bleibt aber vage ; DER SPIEGEL; 2026-06-04

  12. Wladimir Putin: Beim Treffen mit ausländischen Journalisten lobt er plötzlich die AfD ; Europe Says; 2026-06-04