Idee der eigenen Erkenntnis
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Truppenabzug aus Afganistan bedeutet nicht das Kriegsende

Frank Siebert
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Ein Artikel der New York Times vom 15.04.2021 klärt darüber auf, dass der Rückzug der Truppen aus Afganistan nicht bedeutet, dass Afganistan nicht weiter bekriegt wird. 1 Gerüchte über einen ausbrechenden Frieden sind daher deutlich übertrieben.

“What we are really talking about are how to collect intelligence and then act against terrorist targets without any infrastructure or personnel in the country other than essentially the embassy in Kabul,” said Marc Polymeropoulos, a former C.I.A. officer who spent much of his career working on counterterrorism operations, including in Afghanistan.

“I just don’t see how the I.C. operates in a place like Afghanistan without the U.S. military side by side,” Mr. Polymeropoulos said in an email, referring to the intelligence community, including the C.I.A. “It is just far too dangerous.”

Die Truppen sollen also aus Afganistan abgezogen werden. Vermutungen existieren, dass sie vielleicht bald in Myanamar benötigt werden, ich selbst halte allerdings die Gegend Syrien, Irak, Iran für ein mindestens ebenso wahrscheinliches Einsatzgebiet dieser Truppen.

Auf jeden Fall wird Afganistan weiter terrorisiert werden, allerdings nicht mehr am Boden sondern mit Hilfe von Drohnenangriffen aus der Luft, wie sie ja auch im benachbarten Parkistan immer wieder einmal einfach so gemacht werden, obwohl es offiziell keinen Krieg mit Parkistan gibt. Und für Drohnenangriffe benötigt man keine eigene Infrastruktur in dem Land, es genügt eine geringe Anzahl verdeckt arbeitender "Aufklärer". Ob deren Aufklärung effektiv oder akkurat sein kann steht in Frage, spielt aber wohl kaum eine tatsächliche Rolle. Dass die meisten Drohnentote unschuldige Zivilisten sind, ist ja inzwischen keine Nachricht mehr Wert.

Der Rückzug deutet aber auch an, dass der Schutz der Mohnfelder für die Opiate-Industrie nicht mehr so wichtig zu sein scheint. In dieser Richtung sollte ich einmal eine kurze Recherche starten, weshalb dies nicht mehr so wichtig ist. Wird das Opium nicht mehr benötigt, ist die Anwesenheit von Truppen zur Nachschubsicherung nicht mehr nötig, oder gibt es inzwischen ausreichend andere günstige Bezugsquellen? Vielleicht ist die Mohnproduktion im fruchtbaren US-besetzten Osten Syriens angekurbelt worden. Vielleicht finde ich ja etwas erhellendes zu diesem Thema. Offiziell hatte der Einsatz in Afganistan natürlich nie etwas mit Opium zu tun, aber der Mohn-Anbau war zur Regierungszeit der Taliban fast komplett zum Erliegen gekommen, um nach dem Überfall auf Afganistan wieder zu neuen Höchstwerten anzusteigen.

Ob Opium ein treibender Grund für den Überfall war, oder ob es sich um eine opportunistische Nutzung der Gelegenheit handelte, lässt sich vermutlich noch nicht zweifelsfrei feststellen.

Zweifelsfrei steht fest: Das Leiden in Afganistan geht noch nicht zu Ende.

Fußnoten


  1. U.S. and Allies Plan Fight From Afar Against Al Qaeda Once Troops Exit Afghanistan , Eric Schmitt, Helene Cooper, New York Times, archive.org Snapshot, 2021-04-15

Kategorie:Krieg Kategorie:Afganistan Kategorie:Syrien